Danksagung

Wir wissen, welche Risiken unsere Gesprächspartner und Protagonisten zum Teil für uns eingegangen sind. Sie haben sich trotzdem viel Zeit genommen und uns vertraut. Danke.

Dieses Projekt wäre ohne die Unterstützung von Daniel Gäsche nicht möglich gewesen. Er ist seit mehr als 30 Jahren Journalist, unter anderem Moderator und Nachrichtenredakteur beim rbb Fernsehen. In Zusammenarbeit mit dem Militzke Verlag hat er mehrere Bücher veröffentlicht. Das Projekt “Die Unsichtbaren” ist inspiriert von Daniel Gäsches neuem Buch “Eingereist und abgetaucht. Illegal in Deutschland”. Es ist am 13. März 2014 im Militzke Verlag erschienen. Daniel Gäsche hat seine Erfahrungen mit uns geteilt und uns viele seiner Kontakte zur Verfügung gestellt.
Danke.

Daniel Gäsche

Daniel Gäsche

Über die Recherche

Wie bist du auf das Thema „Illegal in Deutschland“ gekommen?

Ich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und habe dadurch einen tiefen Einblick in die Lebenswelt der Brasilianer hier in Berlin bekommen. In diesem Netzwerk sind viele, die ohne Papiere hier sind. Die arbeiten als Putzkräfte, als Pflegekräfte, auf dem Bau, und schlafen mal hier, mal da. Die nehmen wir wahr und akzeptieren, dass sie schwarz für uns putzen, aber wir interessieren uns nicht für ihre Geschichte, woher sie kommen, wo sie schlafen.

Eine Bekannte hat mir außerdem von einem Vietnamesen erzählt, der illegal in Deutschland gelebt hat. Er hat sich das Leben genommen, weil er keinen Ausweg mehr gesehen hat. Und ich habe mich gefragt: Wie verzweifelt muss man sein, seine Heimat zu verlassen, Entbehrungen auf sich zu nehmen, für das Risiko einzugehen, abgeschoben zu werden? Warum redet keiner darüber?

Wie recherchiert man in einem Milieu, wo alle Angst haben, aufgedeckt zu werden?

Der Vorteil bei einem Buch ist, dass du nur mit einem Notizblock und einem Diktiergerät zu den Menschen kommst. Wenn du mit einer Fernsehkamera auftauchst, schrecken viele zurück. Da sprechen sie nur mit dir, wenn du ihnen versprichst, dass sie einen schwarzen Balken auf die Augen bekommen, oder eine verzerrte Stimme oder sie von hinten gefilmt werden.

Es ist schwierig, weil die Menschen oft enttäuscht worden sind, vielleicht auch schon einmal denunziert worden sind. Sie sind sehr, sehr misstrauisch. Das ändert sich erst relativ am Ende. Ich habe einen Inder in der Abschiebehaft getroffen. Für ihn war klar, er muss raus aus Deutschland. Er hat gesagt: „Erzähl meine Geschichte. Du brauchst keinen schwarzen Balken auf mein Gesicht zu machen. Ich möchte, dass jeder weiß, dass ich hier nur arbeiten wollte.“

Wie bist du auf die Menschen zugegangen?

Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass ihre Namen verändert und ihre Städte nicht genannt werden. Die Geschichte wird vielleicht ein bisschen verzerrt, aber der Kern wird stimmen. Nur wenn man darüber redet, wird man die Bedingungen schaffen in Deutschland und Europa, die am Ende dazu beitragen können, dass sich etwas verändert. Das geht nur über persönliche Geschichten. Und da haben dann viele gesagt, okay, wenn du meinen Namen veränderst, dann sind wir einverstanden, dass du unsere Geschichte erzählst.

Du plädierst am Ende deines Buchs leidenschaftlich für eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Menschen ohne Papiere. Hattest du überhaupt den Anspruch, neutral zu schreiben?

In dem Moment wo man sieht, dass einer jede Woche woanders schläft, oder in einem Keller schläft, und für fünf Euro in der Stunde putzen geht – wie kann man da objektiv bleiben?! Da muss man subjektiv sein und eine Meinung vertreten. Das finde ich in Ordnung. Das Buch ist eine Collage aus Reportage, Information, aber auch meiner persönlichen Meinung. Ich finde, dass man zu diesem Thema eine Meinung haben sollte. Das ist ja auch als Journalist nicht ausgeschlossen. Man muss aber die eigene Meinung belegen können, zum Beispiel indem ich anhand einer persönlichen Geschichte Fragen aufwerfe. Natürlich ergreife ich nicht Partei für die, die sich etwas zu Schulden kommen lassen, die kriminell werden.